Ankommen-werden-Berufung finden

Stationen meines Lebens

Meine Lebensreise begann 1957.  In der Frauenklinik Zürich. Laut zuständiger Hebamme recht virtuos:

 

"Sie können sich auf ihre Tochter freuen - die hat ja einen Sopran!",

 

beschenkte sie meine Mutter spontan zu meiner Geburt. Oder war ich die Beschenkende? Der Sopran ist mir jedenfalls bis heute geblieben.

 

Der Kanton Zürich hat mich 31 Jahre lang geprägt.

Gefährte, so nenn' ich meinen Angetrauten hier, hat mich mit der Heirat 1988 in meinen Lieblingskanton Bern gelotst. Wenig später tauschten wir ihn mit dem Aargau ein, und ich erfuhr: Nicht jeder Tausch macht gleich viel Freude. 15 Jahre später war Graubünden dran, wo Gefährte und ich mit Pfotenfreund "Pooh" bereits über ein Jahrzehnt leben. Wie lange, wird sich zeigen.

Ab Herbst 2015 sind wir um eine liebe und sehr herzliche "Tochter auf Augenhöhe" reicher geworden: Weisse Lilie (wie ich sie hier nenne) ist aus Rumänien zu uns gestossen und teilte mit uns Alltag, Sonntag, Freuden und Leiden. Sehr bereichernd, solches Leben teilen! Im Herbst 2018 hat sie einem sympathischen Schweizer ihr Ja-Wort zur Ehe gegeben.

 

Ja, innerhalb der Schweiz bin ich eine Weitgereiste. Obwohl - in einem "Taschentuch-Land" (grösser ist die Schweiz ja nicht) kommt man nicht sehr weit. Dafür sehr hoch! Der Schweizer muss einige Berge überwinden, wenn er seinen Horizont erweitern will. Das wollten wir. Meine bisherigen Wohnorte liegen zwischen 380 und 1800 m.ü. Meer. Auf vier Kantone verteilt. Quer durch Helvetien kam ich durch herrliche Gegenden, lernte erstaunlich unterschiedliche Mentalitäten und Dialekte kennen, bestaun(t)e eine wunderbare Fauna und Flora und habe mich in manche Sitten und Gebräuche eingelebt.

Bildungszeit

Das war einmal
Das war einmal

Nach meiner Aus-Bildungszeit inside of mummys tummy fing meine noch unvollendete  "Weiterbildung von der Wiege bis zur Bahre" an. Selber atmen, saugen, lächeln, greifen, kriechen, sitzen, stehen, gehen, sprechen - ihr kennt das alles. So fängt's an, das Leben. Volles Programm! Ohne zu merken, dass man dauernd am Lernen ist!

Irgendwann war Schulzeit dran - in der man das Lernen zu realisieren beginnt. Habe gute Erinnerungen an meine Volksschulzeit - wenn nur Mathe nicht gewesen wäre! Sagt schon fast alles über meine Stärken. Trotz grosser Matheschwäche steuerte ich entschlossen mein früh gehegtes Berufsziel an, das zu erreichen mir weder Berufsberaterin, noch Grundschullehrer zutrauten. Ein IQ, der nicht ganz Hundert sei, genüge nicht für so ein Ziel, meinten sie. Aber Zahlen, wie gesagt, zählten nicht zu meinen Freunden. Und so interessierte mich auch diese nicht, die mir ja doch nur meine berufliche Zukunft verbauen wollte. Heute denke ich oft, dass ganz vielleicht diese Testverfahren nicht ganz Hundert sind ... Hatte nämlich in beruflichem Zusammenhang wieder damit zu tun und hege seither einige Zweifel.

 

Aller negativen Prophetie zum Trotz bin ich geworden, was ich werden wollte: Grundschullehrerin. Man glaubt es kaum: Mathe wurde mein Lieblingsfach im Unterricht! Schaffte kurzerhand diese bloss stellenden, unglaublich stressenden "von Ecke-zu-Ecke-Wander-Rechnungsspiele" und Ähnliches ab, welche mir in meinen ersten Schülerwochen alle Motivation für die Kunst des Rechnens und den Glauben daran, hierin je fit zu werden, raubten. In meinem Unterricht wurde viel gehandelt, nicht bloss "gekopft". Mit  vielen Sinnen Mathe be-greif-bar machen, wurde meine Leidenschaft, die gute Früchte trug.

Überraschende Kurve

Viele Jahre nach meiner Ausbildung zur Lehrerin hat mich Gefährte nach Basel an die Uni gefördert. Ja, er war mein Förderer. Ohne ihn wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich mit 46 Jahren für ein Vollzeit-Studium in schulischer Heilpädagogik anzumelden. Ja, und so war ich dann für einige Jahre in diesem Sondergebiet der Pädagogik tätig. In meinen letzten Berufsjahren coachte ich Heilpädagoginnen, die in den Dörfern Kinder unterschiedlichster Behinderungsarten oder Entwicklungsstörungen integrativ schulen. Machte mir grosse Freude - aber auch Not, was der seelische Zustand zu vieler Kinder betraf. An Stelle von aufspringenden Blütenknospen sahen mich manche bereits im Kindergartenalter wie verdorrte Rosenköpfchen an ... Ein Bild des Jammers, eine Betroffenheit,  die mir ins Herz schnitt. Wer in diesem Alter im Kern seines Seins schon nahezu verdorrt ist, wird ohne besondere Gnade zehn Jahre später nicht plötzlich blühfreudiger unterwegs sein ... Diese Hoffnung bekam auf vielerlei Weise grosse Risse bei mir. Wir Menschen sind keine Heiler. Im guten Fall Zubringer zum heiler werden. Und so kam es, dass ich beruflich ans Umspuren zu denken begann.

 

Mehr dazu unter der Rubrik "Kurs-Angebot"

Herzensbildung

Darüber hinaus bin ich in der Schule der Herzensbildung tätig. Vollzeitlich engagiert. Als Schülerin. Mit viel Gewinn. Hab noch keine Klasse übersprungen - aber schon viele repetiert! Das liegt nicht an meinem Lehrer. Ja, ja, auch als Grundschullehrerin kann man zu den Repetenten gehören! Keine Schande. Oftmals nötig. Herzensbildung eben - und die braucht Zeit, viel Zeit. Kopfbildung gibt es hierzulande mehr als genug. Das Herz allerdings - kommt oft zu kurz. Rausgeschmissen wird man nie aus meiner Schule. Hat übrigens noch Plätze frei! Nein, dafür gibt es keine Institution. Man kann sich trotzdem dafür entscheiden.

 

In dieser Schule will ich bleiben, lebenslang. Auch wenn die Lektionen manchmal ganz schön hart sein können. Wer mein Lehrer ist? Oh, ganz viele. Menschen um mich her, die Natur, das Leben und nicht zuletzt Derjenige, der mir dieses schenkte. Ja, mein Vater im Himmel ganz besonders.